Populärwissenschaftliche Darstellung der geologischen Vorgänge Geopark Muskauer Faltenbogen / Łuk Mużakowa inkl. der daraus resultierenden Rohstoff- und Industriegeschichte

Beschreibung der Rohstoffgewinnung als Teil des Industrialisierungsprozesses und Darstellung der Industriegeschichte

Das Vorhandensein hochwertiger tertiärer Lockersedimente war Basis für die schnelle industrielle Entwicklung im Muskauer Faltenbogen / Łuk Mużakowa. Insbesondere Braunkohlen, Glassande, Alaun und Ton bedingten den raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Tatsache, dass die Rohstoffe aufgrund der eiszeitlichen Aufstauchungsvorgänge dicht unter der Erdoberfläche zu finden waren, war ein besonders glücklicher Umstand. In nur 100 Jahren entstanden rund 90 Braunkohlegruben, an die 40 Glashütten, 11 Ziegeleien, zahlreiche, verschiedene keramische Produkte herstellende Fabriken und Eisenhüttenwerke auf engstem Raum.
Riesige Fabriken wurden errichtet, um die hiesigen Glassande zu hochwertigen Glasprodukten zu verarbeiten. Anfang des 20. Jahrhunderts waren Glasprodukte aus Weißwasser/O.L. und Döbern weltweit begehrt. Die Region war Zentrum der damaligen Glasindustrie. Heute existieren noch einige Glashütten, in denen man hochwertige Produkte im Werksverkauf erwerben oder Glasbläsern über die Schulter schauen kann.

Glaskunst

Die tertiären Tone des Muskauer Faltenbogens dienten der Herstellung von Ziegeln und Dachziegeln, keramischen Behältern für die chemische Industrie und Tonwaren für den täglichen Bedarf. Łęknica, Krauschwitz und Bad Muskau galten als zentrale Standorte für die Verarbeitung der hochwertigen Flaschentone. Überall finden sich Zeugen der einst regen und weit über die Region hinaus bekannten keramischen Industrie. Mehrere Töpfer bieten noch heute ihr traditionell gefertigtes und kunstvolles Handwerkszeug an, die Straßen sind gesäumt von den typischen gelben Backsteinhäusern.

Alte Ziegelei Klein Klzig

Raseneisenerze wurden im großen Umfang verhüttet und in Form gegossen. Schon im 15. Jh. wurde die Keulahütte erwähnt, die noch heute von Krauschwitz aus Gußerzeugnisse in alle Welt hinaus liefert. Alaunerden und –tone stillten den Bedarf der chemischen Industrie. Die Spuren des Abbaus prägen den historischen Berg- und Badepark Bad Muskau, der Bestandteil des Fürst-Pückler-Parks ist.


Hinter all den energieaufwändigen Produktionen stand der Abbau der Braunkohle im Tage- und Tiefbau. Ab 1843 waren zeitweilig rund 60 Gruben mit jeweils mehreren Abbaumulden gleichzeitig aktiv. Die Tagebaue hinterließen rd. 400 Seen verstreut im gesamten Faltenbogen auf einer Fläche von ca. 280 km². Der Tiefbau erreichte die im Lockergestein mehr als beachtliche Tiefe von ca. 106 m bzw. 14 Sohlen. Erst mit dem großflächigen und damit effektiveren Abbau der Braunkohle in den Großraum-Tagebauen Mitte des 20. Jh. verlor der Muskauer Faltenbogen als Rohstofflieferant an Bedeutung.

Beschreibung der heutigen Situation und der Besonderheiten

Zahlreiche beeindruckende Relikte der bewegten Zeiten, die im späten 18. Jh. begannen und ihren Höhepunkt Anfang des 20. Jh. erreichten, sind allgegenwärtig. Besonders beeindruckend sind die Bergbaufolgeseen, die sich wie bereits zuvor die unberührten Gieser dicht an dicht über Hunderte von Metern bei relativer geringer Breite erstrecken und in allen Farben schimmern - ein Refugium, welches sich die Natur nach und nach zurück erobert hat und nunmehr durch seine Unberührtheit und Einzigartigkeit punktet. Heute ist der Muskauer Faltenbogen eine beeindruckende Kultur- und Altbergbaulandschaft voller mannigfaltiger Gewässer und ein waldreicher Naturraum mit bedeutender ökologischer Vielfalt. Zahlreiche thematische Wander- und Radwanderwege führen durch die wundervolle Landschaft. Hier kann man Geologie erleben und Geschichte atmen oder einfach nur die Seele baumeln lassen.

Farbige Seen bei Reuthen

Versunkene Wlder Grube Hermann